S. Reichmann, Dipl.-Psychologe

"Im Rahmen meiner freien Tätigkeit für den Jugendpsychatrischen Dienst (JPD) betreue ich in einer Myrtel-Klasse ein Kind mit einer massiven Verhaltensstörung. Im Folgenden möchte ich Ihnen von meinen positiven Erfahrungen mit "Myrtel und Bo" berichten."

Myrtel und Bo – Lernen mit Kopf und Herz

"Was hast du heute in der Schule gelernt?" ist eine der häufigsten Fragen, die Schülern und Schülerinnen zu Hause von ihren Eltern gestellt werden. Die von den Eltern mit dieser Frage implementierte Erwartung beinhaltet, dass deren Kinder in der Schule auf ein zukünftiges Leben vorbereitet werden sollen. Schülerinnen und Schüler sollen am Ende der Schulzeit - so die verbreitete Vorstellung - über die Kernkompetenzen, also über einen geistigen Rucksack verfügen, der es ihnen ermöglicht, die sozio-kulturellen Herausforderungen unserer Gesellschaft und Zeit zu bewältigen. Doch welche Grundvoraussetzungen muss ein darauf ausgerichtetes schulisches Lernkonzept überhaupt erfüllen? Über welche Zugangswege muss ein solches Konzept verfügen, wenn wir unseren Kindern dabei nicht nur kognitive Fähigkeiten mit auf den Weg geben, sondern auch kreative, geistige, soziale und emotionale Kompetenzen stärken wollen?

Eine ebenso beeindruckende wie erfolgversprechende Antwort auf diese Frage bietet das multisensuelle Lernkonzept "Myrtel und Bo" des im Hamburger "Haus der Zukunft" ansässigen "Myrtel Team - Lehrer entwickeln für Kinder". Myrtel ist eine kleine Raupe, Bo ein Zaubervogel und gemeinsam mit ihren Freunden aus dem Zauberwald führen sie Grundschüler von Klasse 1 bis 4 ganzheitlich, fächerübergreifend und unter Einbeziehung aller Sinne an das Schreiben, Lesen, Rechnen und den Sachunterricht heran. Durch den Einsatz von Musik, Elementen aus der Bewegungstherapie und schöpferisch-kreativen Zugangswegen wird gezielt der sinnliche Bereich der Kinder angesprochen und somit ein nachhaltiges Lernen gefördert, welches weit über den reinen Erwerb schulischer Grundfertigkeiten hinausreicht. Das Arbeitsmaterial ist nicht nur auf Grund seines hohen ästhetischen Standards im besonderem Maße für die Ausbildung der kindlichen Persönlichkeit geeignet, sondern auch, weil es alle Schlüsselkompetenzen enthält, die in der modernen Psychologie als Grundvoraussetzungen für Arbeitserfolg, Lebenszufriedenheit und ein sinnerfülltes Leben aufgeführt werden: Sozialkompetenz, Empathiefähigkeit, Verantwortungsbewusstsein, Selbstständigkeit, Differenzierungsfähigkeit, Kreativität und Selbstkenntnis, um nur einige der wichtigsten zu nennen.

Das multisensuelle Lernkonzept wirkt dabei nicht nur auf die körperliche und psychische, sondern auch auf die geistige Dimension kindlichen Seins ein. Es fördert neben der kognitiven Intelligenz auch in besonderem Maße soziale und emotionale Fähigkeiten sowie kindliche Fantasie und Intuition. Hervorragend eignet sich das Unterrichtsmaterial auch zur Förderung von Kindern mit unterschiedlichem Entwicklungsstand, da es aus sich ergänzenden Modulen besteht, die aber auch für sich allein und in individuellem Tempo bearbeitet werden können. "Myrtel und Bo" führt Grundschulkinder zudem an selbstständiges und freies Arbeiten heran und fördert dabei gleichermaßen auch die soziale Interaktion mit Gleichaltrigen. Es erweitert auf hervorragende Art und Weise die kognitive Dimension des Lernens durch die geistig-schöpferisch-sinnliche Dimension. Im Gegensatz zu einem überwiegend rationalen pädagogischen Konzept ermöglicht "Myrtel und Bo" somit echte Sinn(-es)erlebnisse.

S. Reichmann
Dipl.-Psychologe - Logotherapeut (DGLE) - Heilpraktiker für Psychotherapie

Februar 2010