Häufig gestellte Fragen zum MB-System:
1. Warum wurde diese Reihenfolge der Buchstabeneinführung gewählt?
Im ersten Lernabschnitt des Druckschriftlehrganges werden die Konsonanten B/b, M/m, R/r und die Vokale O/o, I/i, A/a eingeführt. Aus diesen Buchstaben setzen sich die ersten Lesewörter, die Namen zweier Hauptfiguren, „Bo” und „Mira” zusammen.
Bei der Auswahl der Laute wurde Folgendes berücksichtigt:
- Die Laute „m” und „b” gehören zu den Lauten, die im Lautspracherwerb sowohl phonetisch als auch phonemisch sehr früh erworben werden (vgl. Fox, A. V.: Kindliche Aussprachestörungen. Schulz-Kirchner, Idstein 2005, S.65).
„b”, „m”, „r” sind Laute, die sich in ihrer Artikulationsart deutlich unterscheiden:
„b” – Plosivlaut
„m” – Nasallaut
„r” – Vibrant
Die Kinder trainieren somit bereits im ersten Lernabschnitt die Analyse und Synthese mit Lauten unterschiedlicher Artikulationsformen.
- Bei der Vokaleinführung (warum das E/e so spät?) wurde nach dem Prinzip der Komplexitätsreduktion verfahren.
- Alle Vokale werden schon in der ersten Schulwoche vorgestellt, so dass fortgeschrittene Lerner sie sofort verschriftlichen können.
2. Warum wurde der Name „Myrtel” gewählt, der den seltenen und schwierigen Buchstaben y enthält?
Da der Buchstabe y vergleichsweise selten in der deutschen Sprache vorkommt, und als schwierig gilt, nimmt er in der Regel keinen besonderen Stellenwert beim Erlernen der Schriftsprache ein und wird meist gegen Ende der Buchstabeneinführung kurz behandelt. Durch den Namen der Hauptfigur „Myrtel” ändert sich das. Da viele Kinder wissen möchten, wie der Buchstabe Y/y klingt und geschrieben wird, baut sich für sie ein Spannungsbogen auf und das Y/y erhält eine besondere Bedeutung. Dies erleichtert grundsätzlich das Abspeichern schwieriger Grapheme.
3. Warum findet die Rahmenhandlung in Klasse 1 im Zauberwald statt?
Schulanfänger befinden sich entwicklungspsychologisch gesehen auf der so genannten „Stufe des magischen Denkens”. Daher spricht sie die Fantasiewelt besonders an.
Gleichzeitig wurde in dem Lernkonzept darauf geachtet, dass es sich bei den Figuren um solche Tiere handelt, die im Sachunterricht in ihrer Lebenswirklichkeit behandelt werden können, im Sinne eines ganzheitlichen, Fächer verbindenden Unterrichts.
Durch die Rahmenhandlung im Zauberwald werden die Kinder gleichzeitig früh zum kreativen Schreiben angeregt. Im Zauberwald ist alles möglich!
4. Warum wird empfohlen, die Schreibschrift in Klasse 1 einzuführen?
Das MB-System beinhaltet in Klasse 1 ein intensives motorisches Basistraining. Dadurch ist eine frühe Einführung der verbundenen Schrift grundsätzlich möglich. Vom Bewegungsablauf her ist die Schreibschrift im Gegensatz zur unverbundenen Druckschrift die natürliche und harmonischere. Aus diesem Grund sind in der Praxis immer wieder einige Kinder zu beobachten, die mit Beginn der verbundenen Schrift eine klarere Schrift entwickeln und deren Schreibprozess dann mehr „in Fluss” kommt (siehe auch Oussoren-Voors, R.: Schreibtanz II. Wörtertanz – eine flotte, fließende Handschrift für 5- bis 12-jährige Kinder. Dortmund 1999).
Im Sinne einer individualisierten Förderung ist der Zeitpunkt, wann optimalerweise (1.oder 2. Klasse) mit der verbundenen Schrift begonnen werden soll, nicht einheitlich für alle Kinder festzulegen. Die erfahrene Lehrkraft entscheidet, wann es für das einzelne Kind sinnvoll ist. Dies kann kein Lernkonzept einheitlich festlegen.
5. Beinhaltet das MB-System eine feste Vorgabe bezogen auf Zeit und Inhalt?
Das MB-System ist ein systematisch ausgearbeitetes Unterrichtskonzept, aber keinesfalls ein starres System. Es gibt einen Leitfaden vor, der den Bedürfnissen der Kinder angepasst werden kann. Verschiedene, die Individualität der Kinder berücksichtigende Schwerpunktsetzungen sind möglich.
Die Lernschritte können dem Lerntempo der einzelnen Kinder angepasst werden, doch sollten Kinder auch nicht unterfordert, sondern gefordert werden. Trauen Sie den Kindern ein angemessenes Arbeitstempo zu!
6. Warum ist es sinnvoll, Schwungübungen regelmäßig durchzuführen?
Die Schwungübungen des MB-Systems folgen einem stufenweisen Aufbau von großformatigen Ganzkörperbewegungen bis hin zu feinmotorischen Übungen, die dem eigentlichen Schreibprozess in der Lineatur entsprechen. Alle vorgeschlagenen Übungen des Konzeptes fördern die sensorische Integration, bieten so ein motorisches Basistraining und unterstützen den Abbau von Lernblockaden. Schwungübungen in Verbindung mit Musik oder rhythmischem Sprechen bauen Sprech- und Bewegungshemmungen ab. Eine Vernetzung der Gehirnhälften durch die Überkreuzbewegung bewirkt zudem eine nachhaltige Speicherung von Erfahrungen und Informationen. Die die Schreibschrift vorbereitenden Schwungübungen sollten über einen Zeitraum von etwa zehn Wochen regelmäßig mit den Kindern durchgeführt und auf vielfältige kreative Weise geübt werden. Aufgrund der allgemeinen entwicklungsfördernden Wirkung ist es darüber hinaus sinnvoll, Ganzkörper-Schwungübungen auch nach Beendigung eines Schwungübungskurses durchzuführen, sogar bis in Klasse 2.
7. Wie viel Zeit sollte ich täglich für das MB-System einplanen?
Optimal wäre eine 90-Minuten-Einheit. In der Praxis ist dies vielen Lehrern nicht möglich. Wenn die Lehrkraft Deutsch als Fachlehrer in einer Klasse unterrichtet, stehen ihr oft nur 45 Minuten täglich zur Verfügung.
Da das Lernkonzept jedoch aus multisensuellen Bausteinen besteht, ist eine Koordination mit anderen Fachlehrern oder in eigenen Fachstunden möglich und sinnvoll.
Beispiel:
Die musikalischen Elemente können in jedem Jahrgang im Fach Musik Berücksichtigung finden.
Ganzkörper-Schwungübungen können im Sportunterricht durchgeführt werden.
Da bei der Durchführung des Schwungübungskurses in den ersten 8 bis10 Wochen auch gemalt und gesungen wird, könnte dieser Baustein im Musik- oder Kunstunterricht Berücksichtigung finden.
Das multisensuelle Buchstaben- und Wörtertraining kann zum Teil im Sportunterricht durchgeführt werden (z. B. Buchstaben mit Seilen legen, nachlaufen; Anzahl der Silben auf dem Minitrampolin hüpfen, Arbeit mit dem Rollbrett).
8. Wie viele multisensuelle Lernstationen sind sinnvoll?
Stationsarbeit ist eine Möglichkeit des individualisierten Unterrichts. Wenn verschiedene multisensuelle Lernstationen in der Klasse eingeführt und den Kindern bekannt sind, kann in der Klasse das Lernen an Stationen eingeführt werden. Die Auswahl der Stationen sollte zuerst gering gehalten und später erweitert werden. Den Kindern muss der Arbeitsauftrag an den einzelnen Lernstationen genau bekannt sein, damit sie zunehmend selbstständig arbeiten können.
9. Wie lange sollten die Kinder an multisensuellen Lernstationen arbeiten?
Die Arbeit an multisensuellen Lernstationen ist besonders im Anfangsunterricht, also in den Klassen 1 und 2 wichtig. Das bewegte Rechtschreibtraining sollte auch in Klasse 3 und 4 fortgesetzt werden.
10. Welches Material kann zur Differenzierung eingesetzt werden?
Neben den Grundbausteinen des MB-Systems sind folgende Materialien zur Differenzierung vorhanden:
Lese-Mal-Blätter, Schreibkarten, Lesehefte, Lesekarten, Lektüren, Themenhefte, ein Anlautdomino, weitere multisensuelle Lernstationen, kreative Schreibanlässe und zahlreiche zusätzliche Differenzierungsideen im Lehrerband 1.
Des Weiteren gibt es drei Fördermodule (vertiefende Übungen zu der Einführung der Buchstaben, Übungen zur Synthese, vertiefende Silbenarbeit).
Es ist außerdem möglich, bereits vorhandene Differenzierungsmaterialien in den Lernprozess einzubeziehen und mit dem MB-System zu kombinieren.
11. Fühlen sich auch Jungen vom Lernen mit der Raupe „Myrtel” angesprochen?
In der Praxis hat sich immer wieder gezeigt, dass Jungen und Mädchen gleichermaßen von der Raupe Myrtel fasziniert und deshalb motiviert sind, mit dem MB-System zu arbeiten. Manche Jungen und Mädchen sehen Myrtel auch als männliches Tier (der Myrtel).
12. Kann man zusätzlich zu dem MB-System auch andere Materialien mit einbeziehen?
Das MB-System ist ein strukturiertes, aber offenes System, in dem die Lehrkraft eigene Schwerpunktsetzungen vornehmen kann. Es kann problemlos mit anderen in der Schule vorhandenen Materialien kombiniert werden, wenn die Lehrkraft es für sinnvoll erachtet.
Ab Klasse 2 erleichtert das Ringbuchsystem das Einfügen von Materialien. Für den Lernerfolg der Kinder hat sich dies jedoch als nicht notwendig gezeigt.